Stand und Entwicklung des Online-Lernens (Interview)
DERMAforum - Zeitung für die Dermatologie
Interview mit der eLearning-Expertin Kerstin Ackermann
DERMAforum Nr. 7 - Juli 2003
Frau Ackermann, Sie sind seit 15 Jahren in der Bildungsbranche tätig, davon 5 Jahre im Bereich eLearning. Wie sehen Sie die Entwicklung des Online-Lernens?
eLearning entwickelt sich zu einer festen Größe im Weiterbildungsmarkt. Die Bildungsverantwortlichen diskutieren nicht mehr darüber, ob eLearning eingesetzt werden soll. Sie überlegen gemeinsam mit Experten, wo es sinnvoll ist und in welcher Form es gewinnbringend ist.
Die eLearning-Branche hatte nach den ersten Erfolgsmeldungen einen Einbruch zu verzeichnen. Die Prognosen sind nun zurückhaltender. Wie erklären Sie sich das?
In den ersten Jahren haben die Anbieter unrealistische Ergebnisse versprochen: Alles kann mit eLearning realisiert werden, wenn man nur das richtige technische System nutzt. Präsenzseminare sind nicht mehr notwendig. Diese Einstellung hat sich zum Glück geändert. Heute stehen die Lerner im Mittelpunkt, die Technik soll das Konzept unterstützen und ist kein Selbstzweck mehr. Methodik/Didaktik rückt in den Vordergrund. Was jetzt kommt, würde ich als gesunde Entwicklung bezeichnen.
Heißt das, dass man eLearning nur noch in bestimmten Fällen einsetzen sollte? Lohnt sich der hohe finanzielle Aufwand dann überhaupt noch?
Man muss die Voraussetzungen der Zielgruppe betrachten und genau prüfen, welche Inhalte mit eLearning umgesetzt werden sollen. Hier lässt sich schon sehr viel realisieren, doch die Anforderungen an die Lernenden dürfen nicht unterschätzt werden. Die notwendigen Kompetenzen kann man durch entsprechende Vorbereitung entwickeln bzw. ausbauen. Was die Kosten anbetrifft: Nicht immer muss eLearning teuer sein. Die bereits vorhandene technische Infrastruktur kann oft sehr gut für eLearning genutzt werden, es gibt auch Systeme, die man für Online-Seminare mieten kann. Ein weiterer Kostenpunkt: Nicht jedes Lernprogramm muss mit Audio und Video ausgestattet sein. Meiner Erfahrung nach ist es meist wichtiger, die Interaktion durch betreuende Tutoren zu gewährleisten und eine Kommunikation in der Gruppe aufzubauen. Dies bringt einen sehr hohen Lerneffekt.
Dieses Interview wurde veröffentlicht in der Ausgabe Nr. 7 - Juli 2003 - der Zeitung für Dermatologie DERMAforum, MERUMED Verlag GmbH, Köln.



