Asynchrone Kommunikation im eLearning
Die Kommunikation im eLearning unterscheidet sich wesentlich von dem üblichen Dialog, wie wir ihn kennen. Die zeitversetzte, sog. "asynchrone" Kommunikation stellt neue Ansprüche an die Trainer, die als Lernbegleiter eingesetzt werden.
Online-Lernen bringt eine Veränderung der Trainerrolle mit sich. Weniger Wissensvermittler als Lernbegleiter werden von dem eTrainer besondere Fähigkeiten zum Aufbau einer virtuellen Gemeinschaft von Lernenden und deren Unterstützung abverlangt. Die eLernenden zu motivieren und die Reaktionen oder auch Nicht-Reaktionen der Lerner richtig einzuordnen fordern ein großes Maß an Einfühlungsvermögen.
Empathie ist gefragt
Entsprechend dem Kommunikationsmodell von Schulz von Thun beinhaltet jede Nachricht vier Aspekte: Sachaspekt, Beziehungsaspekt, Selbstoffenbarungsaspekt und Appellaspekt. Schon in der Face-to-Face Kommunikation sind diese verschiedenen Botschaften schwierig wahrzunehmen. Der virtuellen Kommunikation, die asynchron (zeitversetzt) meist per Schrift stattfindet, fehlen Stimme, Mimik und Gestik. Nonverbale Elemente finden sich hier im Ausdruck und durch die Einbindung sog. „Emoticons“;-) (;-) bedeutet lächeln). Der eTrainer ist gefordert, „zwischen den Zeilen“ zu lesen.
Gefahr von Missverständnissen wächst
Dies erhöht jedoch auch die Gefahr von Interpretationen und der Übertragung eigener Einstellungen auf andere. Im Gegensatz zu einem Gespräch, in dem man die Reaktionen des Gegenübers unmittelbar wahrnimmt, wird die Nachricht zu einem anderen Zeitpunkt in einer anderen Umgebung aufgenommen. Was schriftlich formuliert und abgeschickt wurde, kann weder in der direkten Auseinandersetzung korrigiert werden noch nimmt der eTrainer die erste Reaktion des Lesers wahr. Die Umstände und die Gefühlssituation, in denen die Mitteilung gelesen wird, sind nicht bekannt, was die Basis für Missverständnisse fördert.
Möglichst viel über den eLerner herausfinden
Daher begünstigt es die Kommunikation, wenn der eTrainer zu Beginn des Seminars möglichst viel über die Lernumstände und -umgebung sowie die Motivation der e-Lernenden in Erfahrung bringt und diese individuell berücksichtigt.
„Kühlen“ Kopf bewahren
Reaktionen auf Mails oder Forenbeiträge, die die Emotionen des eTrainers ankurbeln, sollten erst mit einem „kühlen“ Kopf beantwortet werden. Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, bei dem Sender der Nachricht noch einmal nachzufragen, um evtl. weitere Missverständnisse zu vermeiden. Zur Konfliktauflösung oder —vermeidung kann es durchaus hilfreich sein, diesen in synchroner (zeitgleicher) Kommunikation zu klären z. B. im virtuellen Klassenraum, in dem ein direktes Gespräch möglich ist, im Rahmen eines Präsenzseminars oder zumindest durch ein Telefonat.
Kommunikationsmedien
Um die zur Verfügung stehenden Medien richtig einzusetzen, sollten folgende Punkte vorab geklärt werden:
Öffentliche oder private Kommunikation
Ist die Nachricht an alle Teilnehmer der Lerngruppe gerichtet, wählt der eTrainer ein öffentliches Medium. Sensible Inhalte sollten jedoch immer nur in direktem Kontakt zu dem Teilnehmer geklärt werden.
One-to one (1:1) oder one-to-many (1:n)
Wünscht der eTrainer eine möglichst hohe Beteiligung der eLerner zu einem Beitrag, wählt er ein Kommunikationsmedium, in dem er sich gleichzeitig an alle wenden kann. Fragestellungen bzw. Rückmeldungen, die nur für einen einzelnen Teilnehmer interessant sind, sollten ausschließlich über ein Medium kommuniziert werden, das nur für ihn zugänglich ist.
Einseitige oder wechselseitige Kommunikation
Die asynchronen Medien des eLearnings weisen unterschiedliche Möglichkeiten der direkten Kontaktaufnahme bzw. Rückmeldungen auf.
Push oder Pull
Der eTrainer entscheidet durch die Auswahl des Mediums, ob die Nachrichten explizit gesendet (push) oder abgerufen (pull) werden sollen.
Gängige Medien, die zur asynchronen virtuellen Kommunikation eingesetzt werden, sind:
- Diskussionsforum
- Schwarzes Brett
- Dokumentenforum



